EthicMeat Bewegung

5
Jan
Ethische Aspekte im Vegetarismus

3 min lesen & mehr über ethisches Essen wissen

Verbraucher lassen zunehmend ethische Aspekte in den Kaufprozess einfließen. Die Literatur unterscheidet zwischen negativ ethischen Verhalten und positiv ethischen Verhalten. Veganer lehnen das Ausbeuten von Tieren generell ab, womit Sie dem negativen ethischen Kategorie angehören. Viele Menschen aus dieser Gruppe bezeichnen sich als aktive Tierschützer. Positiv ethisch getriebenen Menschen zeichnen sich weniger durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel/Waren aus, sondern achten auf eine ethische Produktion. Wissenschaftler haben in Studien herausgefunden, dass Konsumenten eine ganze Reihe an ethischen Aspekten beim Kauf berücksichtigen. Diese reichen bspw. von Kinderarbeit in der Konsumgüterindustrie über tierfreundliche Tierhaltung bis zu genstofffreier Tiernahrung. (1)

Ethische Kaufpräferenzen

Ethische Kaufpräferenzen im Vegetarismus lassen sich in der wissenschaftlichen Disziplin der Tierethik untersuchen. Diese beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier. In der Literatur existieren mehrere Standpunkte hinsichtliche dieser Beziehung. Einige Wissenschaflter argumentieren, dass Menschen über den Tieren stehen und ihm diese ohne Einschränkungen zum Nutzen stehen (anthropozentrischer Blickwinkel). Vertreter der egalitaristischen Bewegung sehen überhaupt kein Recht der Menschen Tiere in irgendeiner Form für menschliche Zwecke zu nutzen. In der Mitte steht der pathozentrische Ansatz. Unterstützer dieser Sichtweise vertreten die Meinung, dass Nutztierhalter eine Fürsorgepflicht für Ihre Tiere haben. Ziel ist, keinem Tier vermeidbares Leid zuzufügen.

Innerhalb des wissenschaftlichen Teilgebietes der Tierethik wird diskutiert, unter welchen Voraussetzungen ein Tier Leid empfindet. (2) Fische galten lange Zeit als Schmerzunempfindlich und nicht vergleichbar mit Säugetieren. Ein Grund, weshalb die Messlatte für die Leidensfähigkeit höher hing und ein Teil der Vegetarier Fisch konsumieren. (3) Selbiges gilt für die Produktion tierischer Produkte wie Eier und Milch. Deshalb bezeichnen Fachleute Vegetarier die Fisch konsumieren (sogenannte Pescetarier) als Ovo-Lacto-Pesco Vegetarier (lat. ovo: Ei; lat. lact: Milch). (4) Aus Sicht der Wissenschaft ist das verursachte Tierleid bei der Produktion von Milch, Ei und dem Konsum von Fisch zu evaluieren.

Milchkühe

Rinder sind intelligente und neugierige Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Insbesondere gilt dies für die Beziehung zwischen Mutterkuh und Kalb. Die Mutterkuh schützt die Nachkommen vor Gefahren und versorgt die Kleinen mit Milch. Der Umgang untereinander hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere. Wird die Mutter-Kind-Beziehung gestört, kann von einer artgerechten Haltung nicht mehr die Rede sein. In der heutigen Intensivtierhaltung, entziehen die Bauern der Mutterkuh die Kälber nach kurzer Zeit und füttern diese mit Ersatzprodukten. Die wertvolle Milch der Mutterkuh ist im Verkauf gewinnbringender. Besonders effektive Milchkühe sind künstlich heraungezüchtet. Durch mit Soja angereichertem Futtermittel geben sie am Tag bis zu 50 Liter Milch, das 6-fache der benötigten Menge zur Aufzucht der Kälber. Die Milchentnahme geschieht maschinell. Dazwischen verbringen die Rinder die meiste Zeit in Liegeboxenlaufstellen, mit begrenztem Platzangebot. Die natürliche Entfernung zu ihren Artgenossen, um den natürlichen Rang in der Herde darzustellen, ist in vielen Fällen nicht vorhanden. Eine tierfreundliche Milchproduktion ist unter diesen Umständen nicht gewährleistet. (5)

Legehennen

Eine vegetarische Diät beinhaltet den Konsum von Eiern, die den Verbrauchern in Deutschland in vier Güteklassen zur Wahl stehen. Die in Verruf geratene Käfighaltung ist in den letzten Jahren zu Gunsten von in Freiland gehaltenen Tieren stark zurückgegangen. Allerdings fallen immer noch 50 Millionen männliche Küken, welche nicht zur Eiproduktion dienen, jährlich dem Schredder zum Opfer. Eine Praktik die sich laut Experten nicht vermeiden lässt, da eine Geschlechtsbestimmung erst nach dem Schlüpfen der Jungen durchführbar ist. Selbiges trifft für männliche Kücken aus Biohaltung zu, die beste Güteklasse. Organisationen wie der Tierschutz e.V. belegen für diese Haltungsform eine unzureichende Ausrichtung am Tierwohl. So haben zahlreiche Biobetriebe das Platzangebot pro Henne unterschritten oder die Freilandhaltung nicht wie vorgeschrieben umgesetzt. Mehrfach wurden durch den Verein für Tierschutz in der Vergangenheit Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus dokumentiert und veröffentlicht.(6)

Fische

Fisch ist gesund. Der Körper benötigt die wichtigen Omega3-Fettsäuren; der geringe Fettgehalt komplettiert eine gesunde Ernährung. Selten hinterfragen Konsumenten diese vermeintlich logische Schlussfolgerung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Verschmutzung der Weltmeere längst ihren Weg in den Nahrungskreislauf der Menschen gefunden hat. Experten läuten die Alarmglocken und warnen vor einem gefährlich hohem Schwermetallgehalt im Meeresfisch(5a). In den letzten Jahrzehnten hat ebenso die Fischzucht in Aquakulturen überdurchschnittlich zugenommen. (7) Lebensmittelkontrolleure warnen davor, dass Antibiotika in der Fischzucht ebenso regelmäßig zum Einsatz kommt wie genmanipuliertes Kraftfutter. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass Fischfarmen tierunfreundliche Bedingungen beibehalten um die hohe Nachfrage zu stillen. Das wirkt sich natürlich auf die Qualität von Fischfleisch und damit auf die Gesundheit der Konsumenten aus. Neue Studien zeigen weiterhin, dass Fische sowohl Schmerz als auch Angst empfinden. (7) Aus ethischer Perspektive ein weiterer Grund den Konsum von Fisch aus Aquakulturen kritisch zu hinterfragen. Zum Schluss bleibt zu erwähnen, dass die wichtigen Omaga3-Fettsäuren alternativ in nicht tierischen Quellen wie Leinöl vorhanden sind.

Zusammenfassung

Eine ethische Perspektive zur Bekämpfung von Tierleid einzunehmen ist ein vielversprechender Ansatz. Weitere Forschung wird zeigen, wie genau Lösungen in der Praxis aussehen können. Daran angeknüpft müssen Betriebe diese Erkenntnisse auch praktisch umsetzen. Erfahrungsgemäß dauert dies seine Zeit. Einzelne das Interesse daran haben, durch bewusste Kaufentscheidungen einen Verbesserungsprozess zumindest in Gang zu setzen. Eine ethischer Blickwinkeln muss dann nicht ausschließlich auf die Beziehung von Mensch und Tier beschränkt sein. Vielmehr sollten die Menschen einen ethischen Umgang mit unserer Natur sowie den verantwortungsvollen Konsum im Gesamten betrachten. Dazu gehört eine bewusster Verbrauch von pflanzlichen Produkten genauso wie der verantwortungsvolle Umgang mit Produzenten.

 

Einzelnachweise

(1) Ethical Consumption
(2) Petra Mayr: Das pathozentrische Argument als Grundlage einer Tierethik, 2003, Westfaelischen Wilhelmsuniversitaet
(3) BBC News Magazine
(4) Donaukurier: Lakto-Ovo-Vegetarier
(5) Albert Schweizer Stiftung: Massentierhaltung
(6) Biowahrheiten: Thema Eier
(7) Can fish suffer?: perspectives on sentience, pain, fear and stress. K.P. Chandroo, I.J.H. Duncan, R.D. Moccia ∗ Department of Animal and Poultry Sciences, University of Guelph, Guelph, Ont., Canada N1G 2W1fische empfinden schmerz angst
Bild: © Hiero / PIXELIO


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